Eine Woche als Forscher

Eine Woche als Forscher

beim 38. Erfinderlabor des Zentrums für Chemie

Langsam trudelten die Leute ein, anfangs kannte sich niemand, Schülerinnen und Schüler, ausgewählt aus ganz Hessen, aufgrund ihres besonderen Interesses an den Naturwissenschaften. Zunächst füllte eine drückende Stille den Raum, doch bald entfachten lebhafte Konversationen. Schnell fanden sich Gemeinsamkeiten und geteilte Interessen. Dann ein Aufruf, die Blicke richteten sich nach vorne, die Einführung begann. Der Grund, warum wir alle dort waren: Das 38. Erfinderlabor des Zentrums für Chemie, das Überthema: „Hochleistungsmaterialien für die Energiewende“.

Kaum Zeit war vergangen, schon wurden wir in Zimmer und Forschungsgruppen eingeteilt. Das Thema meiner Gruppe schien für mich zunächst so kryptisch, wie für jeden Laien, aber das sollte mich zunächst nicht beunruhigen. Wenig später wurden wir zu unserer Unterkunft geführt, nicht viel mehr als ein Schlafplatz für die ereignisreiche bevorstehende Woche.

Es war der Morgen des nächsten Tages, der erste Programmpunkt: Vorstellung des Sponsors Merck. Nicht nur den Konzern an sich, sondern ebenso verschiedene Lebenswege durch Wissenschaft und Forschung präsentierte man uns. Am Nachmittag wurden die Gruppen dann in ihre Themen eingeführt. Hier trafen wir zum ersten Mal auf die Forschenden, welche uns in den nächsten Tagen betreuen würden. In der Auseinandersetzung mit den Expertinnen und Experten lüfteten sich schnell die Geheimnisse um die obskuren Themen. Es stellte sich heraus, dass der „magnetokalorische Effekt“, mit welchem sich meine Gruppe beschäftigen sollte, in der Praxis nichts anderes war, als der Versuch Magneten zur Kühlung zu verwenden.

Sollte dieses Unterfangen glücken, könnte dies zu einer Reduzierung klimaschädlicher Kältemittel führen, wie sie momentan noch in Kühlschränken und Klimaanlagen zu finden sind. Das Problem: Die Materialien, welche hierfür gebraucht werden, sind in der Regel Seltene Erden. Seltene Erden sind Metalle, die hauptsächlich in China gefördert werden und somit mit Menschenrechtsverletzungen und geopolitischen Spannungen in Verbindung stehen. Jedoch sind einige Seltene Erden kritischer als andere, es gilt also, möglichst unkritische Seltene Erden für Anwendungen, wie eben die Kühlung, zu finden. Eine dieser weniger kritischen Seltenen Erden ist Lanthan, um dieses aber für das Kühlen nutzbar zu machen, muss das Lanthan mit diversen anderen Elementen angereichert und behandelt werden.

Genau das war das Ziel unserer Forschung im Erfinderlabor: „Wie können wir das Lanthan behandeln, um ein Material mit der bestmöglichen Kühlleistung zu erhalten?“ Die folgenden Tage flogen an mir vorbei, zwischen Synthese des Materials – Schmelzen, Tempern, Hydrieren – und dem Testen der Eigenschaften schien es kaum einen Moment zu geben, in dem nichts zu tun war. Obwohl ich jede Sekunde davon genoss, war doch der Ausflug zu dem Darmstädter Start-up Magnotherm eine willkommene Atempause. Dort wurde uns gezeigt, wie schon heute Magnete im kommerziellen Bereich zur Kühlung eingesetzt werden können. Auch die frühere Regierung schien Hoffnung in die neuartige Technologie gehabt zu haben, denn stolz präsentierte man uns einen Kühlschrank mit der Unterschrift des letzten Wirtschaftsministers Robert Habeck.

Alle Daten waren gesammelt und ausgewertet, sogar die praktische Umsetzung hatte man sich angeschaut. Mit dem Anbruch des vorletzten Tages ging es also an die letzte Hürde – die Präsentation. Am finalen Tag sollten alle Gruppen vor großem Publikum ihre Erkenntnisse der Woche präsentieren. Einen Tag zuvor galt somit: Formatieren, Animieren und vor allem ganz viel Üben, um am Ende eine Präsentation abzuliefern, mit der alle zufrieden sein konnten.

Der Tag der Präsentation kam und nach ein paar einleitenden Worten waren wir die erste Gruppe auf der Bühne. Die Spannung stieg, der Puls schoss in die Höhe und dann war eigentlich auch schon wieder alles vorbei. Es lief gut – nicht perfekt, aber wann tut es das schon einmal – wir wurden beklatscht, erhielten Feedback von einem Experten und verließen die Bühne bald wieder. Im Anschluss hörten wir noch die Vorträge der anderen Gruppen und sahen Präsentationen von Vertreterinnen und Vertretern der Wissenschaft, die an diesem Tag anwesend waren.

Auch wenn ich unfassbar viel Spaß am reinen Forschungsteil dieser Woche hatte, erhielt ich die wohl größte Erkenntnis durch die Präsentation am Ende: Gelassenheit ist eine Fähigkeit, die ich noch lernen muss. Diese facettenreiche Woche im Erfinderlabor war, auch weil ich nun mein Abitur hinter mir habe, ein willkommener Abschluss meiner Schulkarriere.

Leonard Melk

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